Stürmisch ist die Nacht,
Kind im Grab erwacht,
Seine schwache Kraft
Es zusammenrafft.

„Machet auf geschwind!“
Ruft das arme Kind,
Sieht sich ängstlich um:
Finster ist’s und stumm.

Überall ist’s zu,
„Mutter, wo bist Du?“
Stoßet aus den Schrei,
Horchet still dabei.

Und in seiner Qual
Klopft es noch einmal,
Sieht sich grausend um:
Finster ist’s und stumm.

Streckt die Ärmlein bloß,
Hämmert schnell drauf los,
Ruft entsetzt und laut:
„Hört, ich bin nicht todt!“

Lehnt sein Haupt am Arm:
„Daß sich Gott erbarm’,
Lebt man ewig so?
Und wo stirbt man, wo ?

Ach, man hört mich nicht,
Gott, ach nur ein Licht!“
Sieht sich nochmals um!
Finster bleibt’s und stumm.

Stier und starr es tappt,
Und am Sarg’ es klappt,
Horch, da strömt sein Blut
Durch des Nagels Hut.

Aus dem warmen Quell
Sprudelt’s rasend schnell:
Endlich stirbt das Kind,
Froh die Engel sind!

Stürmisch ist die Nacht,
Blätter rauschen sacht,
Niemand sah sich um:
Finster blieb’s und stumm.

Es hört ein wack’rer Kriegersmann
Sich dies Geschichtchen einmal an,
Dem Tod konnt’ er ins Antlitz sehn,
Doch jetzt im Aug’ ihm Tränen stehn.

Ein Leichenhaus, ein Leichenhaus,
Ruft er aus vollem Halse aus,
Wir wollen nicht auf bloßen Schein
Beseitigt und begraben sein!

Wir wollen, alle Wetter auch,
Nicht halten an dem dummen Brauch,
Daß man mit uns zu Grabe rennt,
Als wenn man’s nicht erwarten könnt’!

Für Todte haben Gelder wir,
Und um Lebend’ge handelt’s hier!
Man sühnt wohl solche Grausamkeit
Nicht mehr in aller Ewigkeit.

Für Tänzer giebt es Raum und Zeit –
O, tiefbethörte Menschlichkeit!
Ihr alle seid so schlecht als blind,
Solang’ nicht Leichenhäuser sind!