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Monatsgedicht
Oktober
2008
 

Ach, er war ein guter Maler,
doch ein schlechter Steuerzahler.
Denn sein Bilderstapel stand
still mit dem Gesicht zur Wand.

Einsam war der Mann und bald
fünfundvierzig Jahre alt.
Und er wagte nicht mehr, offen
auf sein bißchen Glück zu hoffen.

Schulden, die er nie bezahlte,
saßen rings im Atelier.
Sinnlos war es, daß er malte!
Und sein Leben tat ihm weh.

Als er keinen Mut mehr hatte,
stopfte er zerpflückte Watte
in die Tür- und Fensterspalten,
um das Zimmer dichtzuhalten.
Danach schrieb er ein paar Briefe
zur Erklärung der Motive.
Und im weiteren Verlauf
drehte er den Gashahn auf.

Krank und müde vom Getue
um die goldne Gunst der Welt,
setzte er sich nun zur Ruhe,
wenn auch ohne Ruhegeld.

Eine Woche saß die Leiche
ungestört in ihrem Reiche.
Bis der Herr Portier erschien.
Denn nur der vermißte ihn.

Paar Bekannte standen stumm
später um das Grab herum.
Ohne Blechmusik und Predigt
wurde hier der Rest erledigt.

Alle Augen blieben trocken.
Hinterher im Stammcafé
fragte Einer ganz erschrocken:
„Wer nimmt nun das Atelier?“