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Monatsgedicht
Jänner
2008

Ein Seufzer schwebte ganz allein
hoch über einem Birkenhain.
Der Seufzer seufzte tief und schwer
oh weh, oh weh, es quält mich sehr,
dass ich ein männlicher Seufz-Er
ich wünsche Seelensympathie
mit einer weiblichen Seufz-Sie.

Der Seufzer war so intensiv,
dass er sein Weib ins Leben rief.
Bevor der Mond am Himmel hing
der Seufz-Er die Seufz-Sie umfing.
Er herzte sie und küsste sie:
„Du meine einzige Seufz-Sie!“
Sie seufzten glücklich alle zwei,
ach war das eine Seufzerei.
Sie gingen ineinander auf,
und siehe da, am Morgen drauf
tront auf der Birke – als Prinzeß –
ein kleines winziges Seufz-Es.

Es tönte lieblich durch den Mai
jetzt die Familien-Seufzerei,
wie ein gefühls-harmonisches
Konzert von Seufz-Er, -Sie und -Es.
So war es und so wird’s immer sein:
Ein Seufzer kommt niemals allein.