Ein Mensch besitzt zwei Festspielkarten,
Auf die vielleicht zehntausend warten,
Die, würden sie beschenkt mit diesen,
Sich ungeheuer glücklich priesen.
Der Mensch von diesen schroff getrennt,
Dadurch, daß er sie gar nicht kennt,
Denkt vorerst seiner beiden Schwestern:
„Nein, danke“, heißts, „wir waren gestern.“
Dann fällt ihm noch Herr Müller ein,
Der wird vermutlich selig sein,
Doch selig ist der keinesfalls,
Ihm stehn die Opern schon zum Hals.
Wie konnt ich Fräulein Schulz vergessen?
Die ist auf so was ganz versessen!
„Wie, heute abend, Lohengrin?
Da geh ich sowieso schon hin!“
Herr Meier hätte sicher Lust:
„Hätt vor drei Tagen ichs gewußt!“
Frau Huber lehnt es ab, empört:
„Vor zwanzig Jahren schon gehört!“
Herr Lieblich meint, begeistert ging er,
Wär es für morgen, Meistersinger,
Doch heute abend, leider nein,
Der Mensch läßt es von nun an sein.
Zwei Plätze, keine Sitzer habend,
Genießen still den freien Abend.