„Amalie", sprach Herr Pastor Stein,
„In München soll's gemütlich sein.
Um das mir einmal anzusehn,
Verreis' ich jetzt. Auf Wiedersehn!!"
Zwölf Stunden später kam er dann
Am Hauptbahnhof in München an.
Ein Mann saß dort mit grünem Hut
Und tat sich in der Sonnenglut
An einem Riesenmaßkrug gütlich.
Der Pastor fand das sehr gemütlich.
Und rief ganz harmlos: „Alter, prost!"
Doch der erwiderte erbost:
„Du Stadtfrack, du gescheerter Dackl!
Du Rindvieh, damisches! Du Lackl!"
Und schlug dem Pastor voll Ekstase
Zweimal den Maßkrug um die Nase.
Herrn Stein, der sonst ein Mann voll Güte,
Ward's sehr beklommen zu Gemüte.
Verschiednes schien sich ihm zu drehn,
Und so nur konnte es geschehn,
Daß er am Karlsplatz etwas später
Geriet in eines Autos Räder.
Halbtot gequetscht sprach er voll Qual
Zu dem Chauffeur: „Na, hörn Sie mal!"
Worauf ihm der, halb unbewußt,
Noch ein Stilett stieß in die Brust.
„Gemütlich soll's in München sein",
Begann mit schwachem Ton Herr Stein,
Doch eh er noch den Satz beendet,
Lag er am Boden schon verendet.
Die Stadtbehörde sargt ihn ein
Und depeschierte an Frau Stein:
„Verehrte Frau, es schmerzt uns sehr,
Jedoch Ihr Mann - der lebt nicht mehr.
Er starb in seiner Blütezeit
An Münchener Gemütlichkeit."