Es war einmal ein Vögelein,
Kanaria von Geschlecht,
Es war so schön, so gelb, so fein,
Wie's Vögeln eben recht.

Doch ach, das arme Vögelein
Im goldnen Käfig saß,
Und mit den kleinen Äugelein
Den großen Himmel maß.

Ein frecher Sperling flog vorbei
Und sang ihr zum Exceß:
»Ich lieb' Dich bis zur Raserei,
O, Vogelin-Prinzeß!

O, Vogelin, Dein Köpfchen klein
Gefällt mir gar zu gut!«
Da kocht des stolzen Vögelein
Kanarisch heißes Blut!

»Ich mag Dich nicht, ich brauch' Dich nicht,
Mir ist nach Dir nicht bang,
Wohl sehn' ich mich nach Himmelslicht
Und nach des Künstlers Sang!

Doch nach des frechen Sperlings Lied
War mir noch niemals bang,
Denn« - singt sie himmlisch - »nie erglüht
Mein Herz bei nied'rem Klang!«