Es spielt auf offnem Markt die Leier
Der arme, alte Invalid',
Von trüber Zeit, von alter, neuer,
Singt er dazu ein hübsches Lied.

Viel' Leute gehn an ihm vorüber,
Die meisten sehen gar nicht auf,
Sein sanfter Blick wird trüb und trüber, Doch spielt er immer wacker auf.

Der Abend naht, die Sonne sinket,
Der Alte packt die Leier ein,
Im Auge ein Thräne blinket,
Er seufzt: »Man soll zufrieden sein.«

»Doch«, spricht er stockend und verlegen, »Ich weiß nicht, red' ich Jemand an?
Der Arme muß sich überlegen,
Daß er nicht ganz verhungern kann!«

»Herr«, fleht er endlich einen Reichen,
»Sie borgen wohl acht Pfenn'ge mir?«
»Mein Freund, man borgt nicht eures
                                                Gleichen,
Und Bettlern geben selten wir.«

Sanft lehrt der Greis den tauben Ohren:
»Als Bettler ward ich nicht geboren,
Ein Bettler wird man erst alsdann,
Wenn man sich nicht mehr helfen kann!«

Es wankt der Greis in seine Wohnung,
Wirft matt sich auf das faule Stroh,
»Ach«, seufzt er bitter, »ohne Schonung Behandelt man den Armen so?«

Am Morgen lag bei kalten Füßen
Die Leier kalt im Morgenrot,
Der kalte Kopf auf kalten Kissen -
Der brave Invalid war todt. -