Hallo, wer kommt mit Sing und Sang
so fröhlich dort den Weg entlang?
Ich höre ihn schon aus der Fern';
solch frohe Menschen hab' ich gern.
Es klingt sein Lied so wohlgemut,
er trägt ein Blümlein an dem Hut
und winkt mir mit dem Wanderstab.
"Ei, grüß dich Gott, du lust'ger Knab."
Er hält vor meiner Gartentür.
"Mach auf. Bin der Gerichtsvollzieh'r."
Er lächelt mich so strahlend an
als wär's der liebe Weihnachtsmann.
Fürwahr ein seltsamer Patron,
wie Donnerschlag mit Harfenton,
wie Blitz mit Maiensonnenschein.
"Seid mir willkommen. Tretet ein."
Wir nehmen an der Buche Platz
und halten einen kleinen Schwatz
wohl über Wetter und den Wind,
wie weit schon die Radieschen sind
und das der Frühling ziemlich kalt.
Da ruft der Kuckuck aus dem Wald.
Ich denk':"Halt's Maul du dummes Tier."
Diskret ist mein Gerichtsvollzieh'r,
er singt so laut und wohlgemut:
"Was frag ich viel nach Geld und Gut."
Wir beide grölen um die Wett',
gen Himmel schmettert das Duett,
die Vögelein stimmen fröhlich ein.
In unsern Gläsern blinkt der Wein.
Er greift zum Glas: "Prost altes Haus."
Wir stoßen an und trinken aus.
Ich schenke ein den Rebensaft,
wir trinken schließlich Brüderschaft.
Bei Gläserklang und Finkenschlag
der Morgen wurde längst zum Tag,
auch dieser sank schon hinterm Tann,
er fing zu nachmittagen an.
Laut rief mein Freund: "Schenk ein, schenk ein.
Hier bin ich Mensch. Hier darf ich's sein."
Das Echo lieblich wiederhallt.
Der Kuckuck war verstummt im Wald.
Die Sonne sank schon hinterm See.
Das Abschiednehmen tut so weh.
Wenn Freunde auseinandergehn
dann sagen sie : "Auf Wiedersehen."
Ich wink ihm nach am Gartenzaun:
"Gut' Nacht. Leb wohl. Auf Wiederschaun."
Auf meinem Tisch, beim leeren Glas,
ein Zettel lag auf dem ich las:
"Wie schön, daß du des Lebens Ernst
von dieser Seite kennenlernst.
Wenn du was brauchst, dann komm zu mir.
Dein fröhlicher Gerichtsvollzieh'r."