Es sprang die kleine Mickymaus
aus der Filmleinewand heraus.
Sie rief: »Hurra, jetzt bin ich frei.
Schluß mit der ew'gen Filmerei.
Das hält nicht mal Hans Albers aus -
geschweige denn die Mickymaus.«
So rief sie leinwandmüd und kroch
durchs erste beste Mauseloch.
In schwarzer Schrift auf weißer Wand
ein Pfeil und »Zum Weinkeller« stand.
Die Micky denkt mit leichtem Sinn:
»Aha, marsch, marsch - da gehste hin.«
Und eins, zwei, drei im Trippeltrab
flitzt sie die Kellertrepp hinab,
wo hinter Fässern, Stroh und Kisten
die bürgerlichen Schwestern nisten.
Die Micky von der Leinewand
ist jedem Menschen wohlbekannt,
doch hier im Mäuseunterstand
gilt sie - wie der Prophet im Vaterland.
Die Micky ist darüber froh:
»Na, endlich mal inkognito.
Ich bin ein Star im Lampenschein,
hier will ich Maus - und kein Bajazzo sein.
Jetzt tobe ich mich gründlich aus
wie eine hundsgemeine Maus.
Juchheirassa - was kost die Welt?« -
Flugs turnt der kleine Springinsfeld
empor am hohen Weinregal.
Ein Kladdradatsch - mit einemmal
rollt eine Flasche, voll und rund,
hernieder auf den Ziegelgrund.
Das Glas zerfetzt mit lautem Knall.
Die ändern Mäuslein flüchten all
verschüchtert ihren Löchern zu
und piepsten: »Bitte - größte Ruh.
Sonst kommt und frißt uns hier die Katz.«
Die Mickymaus mit einem Satz
springt runter zu dem force majeur.
Sie denkt: »Na, das ist kein Malheur.
Wer Sorgen hat - hat auch Likör.
Wer keine hat - der hat noch mehr.«
Sie leckt und nascht am süßen Wein.
Potz Kurbelkasten, schmeckt das fein.
Sie trinkt sich ganz sternhagelvoll
und grölt und randaliert wie toll.
Die Mäuslein flüstern voll Entsetzen:
»Du wirst die Katze auf uns hetzen.«
Die Micky aber brüllt brutal:
»Ihr Hosenkacker allzumal,
wo ist die Katz? - Her mit der Katz.
Ich knall ihr einen vor den Latz.
Ich bin so stark und habe Mut.
Schmiert die Guillotine ein mit Katzenblut.
Kommt her - ich lad euch alle ein,
dann töten wir das Katzenschwein.«
Die Mäuslein huschen sacht hervörchen
und naschen mit an dem Likörchen.
Sie singen schon nach kurzer Zeit:
»Ein Prosit der Gemütlichkeit!«
Bald wird das Mäusebacchanal
zu einem wüsten Mordsskandal.
Im Siegestaumel schnapserfüllt
die Mäuseschar im Sprechchor brüllt:
»Wo ist die Katz? Her mit der Katz.
Wir knalln ihr einen vor den Latz.
Wir sind so stark - und haben Mut.
Schmiert die Guillotine ein mit Katzenblut.«
Berauscht vom süßen Branntewein,
schläft Maus um Maus in Frieden ein.
Tags drauf filmt Micky ganz charmant
verkatert auf der Leinewand.
Die Mäuslein krochen in ihr Loch.
Die Katz jedoch - lebt heute noch.