Ein Weiser ritt vom Morgenland
Auf seinem Esel durch das Land.
Der Weise dachte, dacht’ und ritt,
der Esel stampfte Schritt für Schritt.

Auf gleichem Wege, kreuz und quer
kam noch ein weiser Mann daher.
Der dachte auch und dacht’ und ritt
sein Esel stampfte Schritt für Schritt.

Die weisen Männer grüßten sich
Mit „Salem“ und „Gott grüße dich“.
Sie waren nämlich ganz extrem
aus Mekka und aus Betlehem.

Auch beide Esel grüßten sich,
auf ihre Art, ganz einheitlich.
Nach kurzer Zeit ein weiser Mann
mit Vorsicht ein Gespräch begann.
Er wählt als Thema das Problem:
Ob Mekka oder Betlehem.

Der andre Weise lauscht’ und ritt,
die Esel stampften Schritt für Schritt.
So geht es eine Weile fort,
da nimmt der andre Mann das Wort,
behauptet, daß das Seelenheil
allein nur ruht im Gegenteil,
denn überdies und außerdem
nur Mekka, niemals Betlehem.

Jetzt rief der weise Widerpart,
man schwört beim Kreuz – und nicht beim Bart.
Ob das wohl gottgefällig sei,
von wegen der Vielweiberei.
Höchst sündig, wenn auch angenehm,
sei Mekka anstatt Betlehem.

Man diskutierte, stritt und stritt,
die Esel dachten Schritt für Schritt,
für uns ist beides unbequem,
ob Mekka oder Betlehem.
Der Abend kam und dann die Nacht,
wenn sich die zwei nicht umgebracht,
schwört jeder noch auf sein System,
teils Mekka und teils Betlehem.
Das haben alle Weisen eigen,
sie lassen sich nicht überzeugen.

Wenn sich zwei weise Männer streiten,
die sollten nie auf Eseln reiten,
auch nicht beim Streit ums Seelenheil,
denn Esel denken sich ihr Teil.
Ob Mekka oder Betlehem,
für Esel ist dies kein Problem.